• Mareike Koch

Wie die Corona-Pandemie mich als freiberufliche Artistin beeinflusst

Aktualisiert: Mai 14

Vor zweieinhalb Wochen haben wir noch die Weltpremiere einer neuen Show gefeiert und obwohl das Corona Virus zu diesem Zeitpunkt schon ein Thema war, war es doch noch ganz schön weit weg. So oder ähnlich ging es vor wenigen Tagen vielen meiner Kolleginnen und Kollegen. Unvorstellbar, dass es so kurze Zeit später so aussehen würde wie heute, am 24. März 2020. Seit anderthalb Wochen sind in ganz Deutschland, fast ganz Europa und Teilen der Welt wegen der Corona-Pandemie alle Veranstaltungen abgesagt. Dazu gehören Theater, Varietés, Messen, Konzerte, jegliche Events und und und. Touren wurden gecancelt, Einrichtungen dicht gemacht. Das gesamte öffentliche Leben ist vorerst geschlossen. Seit zwei Tagen gilt eine Kontaktsperre in Deutschland. Was bedeutet das für uns freiberuflichen und darstellenden Künstlerinnen und Künstler? Für unseren Alltag, für unsere Finanzen, für unser Leben und für die Zukunft?


Photo: Andrii Medwedew

Zunächst einmal sind für alle darstellenden Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeiten, ihre Kunst auf die Bühne zu bringen, komplett weggefallen. Somit hatten wir von einem Moment auf den nächsten kaum eine Möglichkeit mit unserem Beruf Geld zu verdienen. Finanziell stehen damit einige vor großen Herausforderungen. Niemand weiß, wie lange die Corona-Krise anhalten wird und wann wir mit unserem Beruf wieder Einkommen erzielen können. Dies stellt eine große Unsicherheit dar, die auch mental für viele nicht einfach zu handhaben ist. In einigen Bundesländern können bereits Soforthilfen für existenzbedrohte Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen beantragt werden. Zu diesen Gruppen gehören auch Artistinnen und Artisten. Beispiele dafür sind die Länder Berlin, Bayern und Bremen. Informationen über die Hilfen findet ihr auf den Seiten der jeweiligen Landesregierungen. Gestern wurde zudem ein Paket der Bundesregierung beschlossen, welches Ende der Woche vom Bundestag und vom Bundesrat verabschiedet werden soll. Dabei geht es um 1. finanzielle Soforthilfen in Form von Zuschüssen, 2. die persönliche Existenzsicherung der Betroffenen und 3. um weitere Schutzmechanismen. Weitere Informationen dazu findet ihr hier: https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/aktuelles/bundesregierung-beschliesst-soforthilfe-gruetters-rettungsschirm-fuer-den-kulturbereich--1733612?fbclid=IwAR2uA8fXh6Wb_MhREYKbUn4oFtkpKwPxF7SN5hLRSXdzlrD3hjcmBBWjljY

Es wird sich zeigen, inwieweit diese Hilfen und Pakete Solo-Selbstständigen helfen und sie die Kunst- und Kulturlandschaft in Deutschland retten können. Sicherlich ist dies auch davon abhängig, wie lange die Corona-Krise anhalten wird.

Sobald ihr irgendwelche Erfahrungen mit dem Stellen der Anträge habt, freue ich mich, darüber zu hören.


Wenn es um allgemeine und aktuelle Informationen zu Hilfestellungen für Künstlerinnen und Künstler in der Corona-Krise geht, sind außerdem die folgenden beiden Links nützlich:

Die Homepage der Zentralen Künstlervermittlung der Arbeitsagentur:

https://zav.arbeitsagentur.de/

Die Homepage des deutschen Kulturrates e.V., dem Spitzenverband der Bundeskultutverbände:

https://www.kulturrat.de


Außerdem gibt es hier ein Beratungsangebot speziell für Bremerinnen und Bremer:

https://www.bab-bremen.de/wachsen/beratung/task-force.html


In den letzten Tagen wurde ich häufig gefragt, wie das mit dem Training funktioniert? Das wir gerade nicht auftreten können, heißt nicht, dass wir es uns leisten können, einfach mal eine Pause zu machen und nicht mehr zu arbeiten. Gerade für Artistinnen und Artisten, Akrobatinnen und Akrobaten gehört das regelmäßige Training zum Arbeitsalltag dazu. Ohne unsere körperliche Fitness sind wir gar nicht in der Lage, tagtäglich auf der Bühne Höchstleistungen zu erbringen. Aktuell sehe ich unzählige Kolleginnen und Kollegen, die zu Hause im Wohnzimmer Fitness betreiben oder sich zum Home- und Online-Training bei Skype verabreden. Leider ist das jedoch in vielen Fällen kein Ersatz für die Trainingshalle, von denen die meisten leider geschlossen sind. Auch für ein Outdoor-Training am Baum ist es momentan leider noch ein wenig zu kalt.

Photo: Nico Mascellaro

Unser Leben hat sich, wie das von der gesamten Gesellschaft, von einem Moment auf den anderen komplett verändert und wir müssen unseren Alltag neu strukturieren. Trotzdem ist die Solidarität unter den Betroffenen immens und ich habe das Gefühl, dass niemand den Kopf in den Sand steckt. Die allermeisten versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

Viele Kolleginnen Und Kollegen erfahren eine große Solidarität mit kulanten Vermietern , Kunden und Veranstaltern, die Hife anbieten. Modelle, wie eine spätere Mietzahlung oder einen Vorschuss für eine Veranstaltung, für die es einen Ersatztermin gibt, setzen Beispiele. Ich denke, hier gilt: fragen kostet nichts.

Ich persönlich betrachte eine Krise ja auch immer als eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Ein erster Schritt ist für mich die Schaffung einer Tagesstruktur, um meine Gedanken klar zu bekommen. Anderen hilft es, in den Tag hinein zu leben und werden dabei ungeheuer kreativ. Es ist hochinteressant zu beobachten, welche neuen Ideen und Konzepte für die darstellenden Künste aktuell entstehen.

Ich sehe Live-Streamings von Shows und Akteuren, artistische Online-Coachings und kreative digitale Aktionen in der gesamten Szene. Dabei ist es für mich nicht sicher, inwieweit digitale Formate ein Live-Erlebnis, welches in der Entertainment Branche so wichtig und bereichernd ist, ersetzen können. Trotzdem ist es in heutigen Zeiten gut, diese Möglichkeiten zu haben und wird sich sicherlich, auch über Corona hinaus, weiter verbreiten. Bisher ersetzen Live-Streaming Formate in der Artistik alleine schon finanziell noch nicht das Live-Entertainment auf der Bühne. Nichtsdestotrotz hält es die darstellende Kunst in Zeiten von Corona am Leben.

Was sollen wir Künstlerinnen und Künstler jetzt aus dieser Situation machen? Anträge schreiben? Die Zeit für die Umsetzung von Ideen nutzen? Shows entwickeln? Einen Neuanfang wagen? Unsere vielfältigen Fähigkeiten in Branchen nutzen, wo aktuell dringend Hilfe benötigt wird? Es gibt unzählige Möglichkeiten und für wen was in Frage kommt, ist letztendlich eine ganz persönliche Entscheidung. Alle von uns werden einen Weg finden müssen, damit umzugehen und ihre persönlichen Konsequenzen daraus zu ziehen. Ob es ein Abwarten, eine kreative Phase, ein anderer Job oder auch eine Chance für einen Neuanfang sein kann, bleibt uns allen selbst überlassen.

Meine erster Schock über die Gesamtsituation weicht langsam und es kommen Gedanken zu konstruktiven und sinnvollen Lösungen, wie es für mich in dieser Zeit weiter gehen kann. Ich denke, dass es das Wichtigste ist, eine positive Einstellung zu den Dingen zu haben, um daraus Energie für folgende Aktionen und Handlungen zu haben. Es wird auch eine Welt nach Corona geben. Nur wie diese aussehen wird, wissen wir bisher noch nicht. Ich hoffe, dass die Solidarität bleiben wird und wir unsere Freiheiten und unseren Wohlstand wieder mehr zu schätzen wissen. Die Zeit der sozialen Kontakte und des Entertainments wird sicherlich wiederkommen. Möglicherweise sogar stärker denn je. Ich freue mich, wenn wir uns dann alle wieder sehen. Bis dahin bleibt gesund und guter Dinge! Eure Mareike

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